Sprache und Herkunft der Germanen

Buch
hallo

Alte Geschichte ist in Mode, insbesondere die Kelten gelten als schick. Sowohl das Monument von Stonehenge als auch die Himmelsscheibe von Nebra werden ihnen immer wieder zugeschrieben – doch beides ist blühender Unsinn, weil es zur jeweiligen Entstehungszeit noch gar keine Kelten gab. Die Germanen fanden lange Zeit weniger Aufmerksamkeit, bis mit dem 2000. Jahrestages der Varusschlacht im Jahre 2009 eine Flut an Veröffentlichungen über die Germanen erschien. Merkwürdigerweise gab es außerhalb des rein wissenschaftlichen Bereichs aber kaum Bücher über die Sprache der Germanen – obwohl man gerade darüber besonders viel weiß, viel mehr als beispielsweise über die Religion und Alltagskultur dieser Völkerfamilie, aus der die Skandinavier, Engländer, Niederländer und Deutschen hervorgegangen sind.

Das Buch von Dr. Wolfram Euler und Konrad Badenheuer füllt diese Lücke in eindrucksvoller Weise. Im sprachwissenschaftlichen Hauptteil aus der Feder von Euler bietet es Grundlagenforschung über das älteste Germanisch, wie es im zweiten und ersten Jahrtausend gesprochen wurde – Jahrhunderte vor den ersten römisch-germanischen Kontakten. Eine anspruchsvolle Lektüre mit schwierigen Passagen, aber auch mit vielen interessanten Ein- und Ausblicken für alle, die sich für die deutsche Sprache und ihre Ursprünge interessieren. Erst recht gilt dies für den Einleitungsteil. Hier wird mit grundlegenden Missverständnissen und Irrtümern über die Germanen aufgeräumt, die beispielsweise eben nicht aus Skandinavien nach Mitteleuropa kamen und deren Sprache sich weit unabhängiger vom Keltischen entwickelt hat, als oft zu lesen ist. Irrungen und Wirrungen der Forschungsgeschichte werden elegant dargestellt, der politische Missbrauch der Germanen durch nationalistische „Geschichtspolitik“ (nicht nur in Deutschland) wird in seiner Entstehung aufgezeigt und zugleich in seiner Absurdität widerlegt. Frappierend ist, wie sich einige ideologische Versatzstücke über die Germanen bis heute in Nachschlagewerken und Schulgeschichtsbüchern halten konnten.